Schnittschutzstiefel

Schnittschutzstiefel

Der Arbeitsschutz ist ein wesentliches Kriterium, wenn es um die Sicherheit geht. Viele Berufe und Arbeiten dürfen nur dann durchgeführt werden, wenn hierfür die entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen getroffen wurden. Besonders bei Schneidarbeiten in der Wald- oder der Forstwirtschaft muss besondere Vorsicht angebracht sein. Hier können massive Verletzungen entstehen, die dann auch versicherungstechnische Folgen haben können. Besonders Schnittschutzstiefel sind ein essenzieller Faktor, der bei Arbeiten mit Sägen, Äxten oder anderen entsprechenden Geräten in keinem Fall fehlen darf. Doch worauf kommt es bei diesen an und welche Eigenschaften müssen Schnittschutzstiefel überhaupt mitbringen, damit sie für den Einsatz geeignet sind?

Die wesentlichen Eigenschaften von Schnittschutzstiefeln

Was macht einen Schnittschutzstiefel aber nun aus. In erster Linie handelt es sich bei ihnen um handelsübliche Arbeitsschuhe. Ein Hauptmerkmal ist dabei stets die verstärkte Sohle, die verhindert das Etwas von unten in die Schuhe eindringen kann. Auch die Nähte zeigen sich auf eine besondere Weise, denn sie sind in der Regel verstärkt und geben auch bei schweren Belastungen nicht nach. Doch ein bedeutender Unterschied zu anderen Schuhen besteht in jedem Fall. Die Stiefel verfügen über eine entsprechende Schicht, die verhindert, dass eine Säge oder eine Axt die äußere Hülle durchdringen und den Fuß oder den Knöchel erreichen kann. Anstatt zu zerreißen und nachzugeben, wickeln sich die Fasern um das Sägeblatt oder die Kette und blockieren somit den Lauf. Bei einem Axthieb dämpfen diese Fasern den Aufprall so, dass die Schneide nicht bis zum Fuß durchdringen kann.

Das Prinzip dahinter

Bei diesen Fasern handelt es sich um kein Geheimrezept. Sie können sowohl aus Naturmaterial als auch aus Kunststoff bestehen. Wichtig dabei ist allein die Länge. Je länger die Fasern, desto schneller wickeln sich diese in der Kettensäge auf. Die Rotierende Kette sieht dabei schnell sehr viele Fasern an, sodass der Motor zwangsläufig zu stehen kommt. Naturfasern sind hier eine gute Wahl, denn sie Teilen sich beim Einzug nochmals in kleinere Stränge auf, sodass die Blockade der Kette noch schneller einsetzt. Kunstfasern haben den Vorteil, dass sie einfach herzustellen und daher günstig zu haben sind.

Bei einem Axthieb sorgt die dicke Schicht aus langen Fasern dafür, dass die Kraft nicht vollständig auf einen Punkt übertragen wird. In der Regel bestehen die Schuhe aus Leder, welches schon ein erhebliches Maß an Energie absorbiert. Die Fasern verteilen diese Kraft auf eine noch größere Fläche, sodass in der Regel keine schwerwiegenden Verletzungen auftreten. Allerdings sollte der Schuh auch nach einen Axthieb nicht noch einmal verwendet werden, wenn die äußere Lederschicht durchdrungen wurde. Die Stabilität des ´Materials kann nun nicht mehr gewährleistet werden und ein weiterer Treffer an der gleichen Stelle kann zum Versagen der Schnittschutzstiefel führen.

Schutzklassen der Schnittschutzstiefel

Doch Schnittschutzstiefel sind nicht gleich Schnittschutzstiefel. Je nach der Art der zu verrichtenden Arbeit und nach Leistungsfähigkeit der verwendeten Sägen, gibt es unterschiedliche Schutzklassen, die es zu beachten gilt. Sollte eine falsche Schutzklasse gewählt werden, kann eine Säge dennoch Verletzungen hervorrufen.

Schutzklasse 1

Diese Klasse verfügt nur über recht kurze Fasereinbettungen. Hierdurch kann sie im Besonderen nicht bei stärkeren Sägen genutzt werden. Daher darf diese Schuhart nur bei motorgetriebenen Geräten mit einer Laufleistung von maximal 20 m/s verwendet werden. Schon geringfügig schnellere Sägen können die Fasern zum Reißen bringen und zu erheblichen Verletzungen führen.

Schutzklasse 2

Schutzklasse 2 kommt bei Geschwindigkeiten bis zu einem Maximum von 24 m/s zum Einsatz. Hier sind die Fasern fast doppelt so lang wie bei Schutzklasse 1 und sorgen daher für einen recht schnellen Stopp des Motors. Zudem werden Axthiebe durch eine große Faserspannung besser auf den gesamten Schuh verteilt.

Schutzklasse 3

Schutzklasse 3 kommt dann zum Einsatz, wenn wirklich große Maschinen am Werke sind. Meistens handelt es sich hier um Geräte, die für das Fällen äußerst massiver Bäume gedacht sind. Sie erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 28 m/s. Die Fasern fallen dabei schon sehr lang aus und sind zudem dicker als bei den anderen Modellen. Dies liegt daran, dass der Motor der Säge bei dieser Kraft, möglichst schnelle gestoppt werden muss.

Schutzklasse 4

Bei Schutzklasse 4 handelt es sich um die Königsklasse. Diese kann auch den schnellsten Sägen mit einer Maximalgeschwindigkeit von bis 32 m/s widerstehen. Die fasern sind derart lang und dick, dass die fast abrupt die Säge stoppen, sodass es gar nicht erst zu Schnittverletzungen kommen kann.

Kunststoff oder Leder – Mehr als eine Designfrage

Bei Schnittschutzstiefeln hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Ihr Design hat sich verändert und sie wirken modern und zeitgemäß. Manche Modelle könnte man gar auf der Straße bei einem Einkaufsbummel tragen, ohne dass dies jemandem auffallen würde. Doch spielt die Optik im Bereich der Sicherheit nur eine untergeordnete Rolle, denn auch das Material ist von entscheidender Bedeutung.

Aktuell kann man Schnittschutzstiefel aus Kunststoff oder aus Leder erwerben. Beide Modelle haben ihre Vorteile aber auch ihre unweigerlichen Nachteile.

So sind Schnittschutzstiefel aus Kunststoff definitiv leichter als jene aus Leder. Zudem kann das Material noch viel besser verarbeitet und der Form des menschlichen Fußes angepasst werden. Hierdurch wird das Laufen vor allem auf langen Strecken bequemer und in unwegsamen Gelände kann der Nutzer eine Menge Kraft durch das reduzierte Gewicht sparen. Allerdings ist auch die Haltbarkeit der Schuhe nicht von besonders langer Dauer geprägt. Dies liegt nicht etwa am Material selbst, sondern meist am verwendeten Kleber, der die einzelnen Teile miteinander verbindet. Dieser gibt durch den ständigen Einfluss von Feuchtigkeit und Schmutz schneller nach, als die Nähte an einem gewöhnlichen Lederstiefel. Hier kann ein Vergleich zu modernen Turnschuhen gezogen werden, bei denen sich auch besonders häufig die Klebestellen der Sohle als erstes lösen.

Leder ist in der Regel fest vernäht und die Sohle meist mit einem speziellen Kleber für dieses Material versehen. Dafür muss natürlich ein wesentliches höheres Gewicht getragen werden. Die Schuhe sind auch weitaus atmungsaktiver als jene Modelle aus Kunststoff, wobei hier aber die Reinigung am Ende deutlich schwerer fällt. Dafür kann das Material außen deutlich besser gepflegt werden und es behält über einen langen Zeitraum seinen Glanz und seine Färbung. Allerdings spielt das Material auch aus Gründen der Pflege eine bedeutende Rolle. In jedem Fall sollte man sich im Vorfeld informieren, welche Maßnahmen zur Instandhaltung der jeweilige Schuhtyp erfordert, um seine Haltbarkeit so lange wie möglich zu erhalten.

Weitere Schutzmerkmale beachten

Allerdings darf es bei einem Schnittschutzschuh auch nicht nur um die Sicherheit beim Sägen gehen. Auch weitere Aspekte spielen eine bedeutende Rolle. So bewegt man sich mit einem solchen Stiefel schließlich durch den Wald, was durchaus entsprechende Gefahren in sich birgt. Je nach Einsatzort können scharfe Gegenstände die Sohle durchdringen. Besonders bei Arbeiten in felsigem Gebiet muss sehr genau auf ein festes Schuhwerk geachtet werden, welches auch den notwendigen Grip auf dem Untergrund bietet.

Daher sollte die Sohle nicht nur über ein entsprechen rutschsicheres Profil verfügen, sondern auch eine Kunststoffschicht oder eine Metalleinlage besitzen, die das Eintreten von Gegenständen verhindert. Außerdem ist die obligatorische Stahlkappe unentbehrlich, denn Sie verhindert das herabfallendes Geäst oder Steine eine Verletzung im vorderen Fußbereich verursachen. Alternativ gibt es auch Modelle die mit einer Kunststoffkappe versehen sind, wobei hier aber nur der leichte Gebrauch vorgesehen ist. Schnittschutzstiefel mit gesicherter Sohle und Stahlkappe erfüllen in der Regel all die Eigenschaften, die für Klasse 3 erforderlich sind.

Der richtige Sitz

Es ist Gang und gebe, dass von Arbeitgebern häufig Schuhe ausgegeben werden, die nicht immer richtig sitzen. Dabei ist dies ein essenzieller Faktor, der auch für Sicherheit eine bedeutende Rolle spielt. Nicht nur, dass ein falsch sitzender Schnittschutzstiefel Blasen und Reibestellen verursachen kann – dem Fuß wird auch nicht ausreichend Stabilität geboten. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass man beim Gang durch das Gelände umknickt und sich entsprechende Verletzungen zuzieht. Besonders beim Sägen kann dies von Bedeutung sein, denn die Kettensägen haben in der Regel ein nicht zu vernachlässigendes Gewicht. Besteht hier kein sicherer Halt, dann nützt auch das beste Schuhwerk nichts. Knickt man bei der Arbeit um und die Säge trifft einen anderen Körperteil als den Fuß, ist ohne weitere Schutzkleidung mit erheblichen Verletzungen zu rechnen.

Verarbeitungsrichtlinien

Normen müssen in vielen Bereichen erfüllt werden. Besonders beim Arbeitsschutz gibt es so gut wie keine Ausnahmen. Daher müssen alle Schnittschutzstiefel entsprechend den festgelegten Standards verarbeitet sein. So ist es zum Beispiel eine Notwendigkeit, dass die Nähte doppelt ausgelegt und entsprechend gleichmäßig gesetzt sind. Nur sorgt für eine ausreichende Verbindung und die Stabilität des Schuhs. Auch müssen die Schuhe so beschaffen sein, dass Wasser noch Schmutz von den Seiten in sie eindringen können. Dabei wird auch ein Schnitttest an Probemodellen durchgeführt, der genau feststellt, ob das Material den Belastungen der jeweiligen Sägeklasse gewachsen ist. Hierfür wird in der Regel ein Zertifikat erteilt.

Zum Abschluss sei gesagt, dass die meisten Schnittschutzschuhe mit einer Kevlar-Einlage versehen sind. Diese verhindert effektiv´, dass irgendetwas den Schuh durchdringt. Kevlar wird auch in Polizeiwesten genutzt und ist somit in der Lage, den Aufprall einer Kugel abzufangen. Steht auf einen Schnittschutzschuh als Kevlar kann man sich absolut sicher sein, dass hier keine Axt und keine Motorsäge eine Chance haben werden. Zudem kann auch auf eine Kevlar-Sohle geachtet werden, was einen sehr guten Schutz vor eindringenden Gegenständen bietet.