Forstbekleidung

„Orange, orange, orange sind alle meine Kleider…“, ging das nicht anders? Kinderlieder sind nicht immer der Weisheit letzter Schluss. Denn Mitarbeiter in Forstberufen tragen hauptsächlich orangene Arbeitskleidung. Grün war früher die übliche Farbe, weil man dachte mit dieser Farbe im Wald besonders gut getarnt zu sein. Dann stellte man fest, dass Hirsche und anderes Wild ein sehr ausgeprägtes Farbsehvermögen im grünen Farbspektrum aufweisen. Eigentlich ist dies eine logische Konsequenz für Tiere, die im Wand überleben und ihr Futter suchen müssen. Orange allerdings erscheint den Tieren in Grautönen und stellt sich als die bessere Wahl für einen Förster heraus.
Dass Arbeitskleidung in diesem Beruf notwendig ist, ergibt sich aus Gefahren, die bei Arbeiten der Holzernte gegeben sind. Allerdings kann man, wie so oft, nicht alle Arbeiten in einen Topf werfen. Manchmal ist zusätzlich zur Arbeitsbekleidung noch ein spezieller Schnittschutz notwendig.
Schnittschutzbekleidung muss also verifiziert sein und bestimmten Auflagen entsprechen. Alle Forstbekleidung, die sich nicht so nennt, sollte nicht zu Schnittarbeiten getragen werden. Tatsächlich gibt es Gesetze, welche die geltenden Kriterien für Schnittschutzbekleidung regeln und der Sicherheit am Arbeitsplatz dienen sollen.

Allgemeine Forstbekleidung

Die allgemeine Forstbekleidung wird meistens getragen. Sie ist leichter und gibt zusätzlichen Bewegungsspielraum im Vergleich zur Schnittschutzbekleidung. Besonders die Kombination aus Schuhen, Helm und Hose liefert eine gute Ausrüstung für die Forstarbeit, denn alle Anforderungen sind mit dieser Bekleidung gut zu meistern. Außerdem gibt es noch Forstjacken, welche besonders bei kühlen Temperaturen oder zum Schutz des Oberkörpers die weitere Ausrüstung ergänzen. Für gefährlichere Arbeiten, die immer noch nichts mit den Schnittarbeiten gemeinsam haben, gibt es zusätzlich noch Schutzwesten oder anderes Zubehör.
Gesetzlich geregelt ist diese Art von Forstbekleidung nicht. In Wirklichkeit könnte also jeder Förster in der Bekleidung, die ihm beliebt, seine Arbeiten im Wald erledigen. Die einzige Ausnahme ist bei großen Gebieten vorhanden. Wenn diese Gebiete, in denen Forstarbeiten durchgeführt werden sollen, nicht klar abgesteckt und markiert sind, müssen Forstarbeiten Arbeitskleidung tragen, die dafür sorgt, dass sie bereits von weitem gesehen werden. Die Warnsignale, die dafür verwendet werden, sind standardisiert und in drei Stufen eingeteilt. Bei dieser Regelung geht es nicht ausschließlich um die Sicherheit des Försters, sondern ebenfalls um die von Passanten oder vorbeifahrenden Autos, wenn die Arbeiten am Waldrand stattfinden.

Schnittschutzbekleidung

Sobald Schnittarbeiten in der Aufgabe des Försters involviert sind, hat dieser Schnittschutzbekleidung zu tragen. Dabei handelt es sich um besonders stabiles Material, welches den Arbeiter vor Schnitt-, sowie Stichverletzungen schützen soll. Dadurch ist die Arbeitsbekleidung bei Waldarbeiten ein wesentlicher Teil der Unfallverhütung geworden.
Ein grundlegender Unterschied zu der allgemeinen Forstbekleidung stellt die Schnittschutzbekleidung insofern da, als sie gesetzlich vorgeschrieben ist. Solange keine Schnittarbeiten anfallen, kann in jeder beliebigen Arbeits- oder Freizeitbekleidung gearbeitet werden. Allerdings hat der Gesetzgeber für Schnittarbeiten genau definiert welche Schnittschutzklasse bei welchem Vorhaben zu tragen ist. Ansonsten verstößt man gegen das Gesetz.

Schnittschutz Basics

Nun ist klar, dass Schnittschutzbekleidung unentbehrlich für Förster sind. Aber wie genau funktioniert er? Und warum braucht man ihn?
Zur letzteren Frage ist ganz simpel zu sagen, dass die Arbeit mit Motorsägen und Äxten logischerweise zahlreiche Gefahren birgt. Die Wirkung, dass diese Werkzeuge riesige Bäume zu Fall bringen können, ist zwar erwünscht, aber ebenso ist es relativ leicht sich ernsthafte Verletzungen, Stich- und Schnittwunden einzuhandeln.
Auf welche Art und Weise der Schnittschutz nun erfolgt, ist verschieden. Manche Maßnahmen blockieren Klingen und Ketten, andere verzögern deren Eindringen nur. Die blockierende Variante besteht größtenteils aus Polymerfäden. In Bein- und Oberkleidung sind meist solche Maßnahmen getroffen. Die Polymerfäden lösen sich aus dem Stoff, wenn dieser beispielsweise mit einer laufenden Kettensäge in Kontakt kommt. Dieses Prinzip dient dazu, dass die wegstehenden Fäden die Kette blockieren und diese nicht weiteren Schaden anrichten kann. Dies geschieht im Bruchteil einer Sekunde.
Die Verzögerung durch Schnittschutzmaßnahmen ist vor allem hilfreich gegen Schlagwerkzeuge, wie zum Beispiel eine Axt. So ist in das Gewebe Stahl, Vlies aus Aramiden oder Gummi eingearbeitet. Diese Materialien werden in diesem Kontext als Verzögerungspuffer bezeichnet. Es geht bei diesem Prinzip darum die Verzögerungsenergie abzufangen und einen möglichst baldigen Stillstand des Werkzeuges herbeizuführen. Fuß- und Handschutzbekleidung ist häufig auf diese Art gefertigt.
Mittlerweile findet man Schnittschutz nicht mehr ausschließlich in der Forstwirtschaft. Auch in Sägewerken, landwirtschaftlichen Betrieben und anderen Unternehmen, wo Schnittverletzungen eine Gefahr darstellen, sind Schnittschutzhosen und ähnliches zum Standard geworden. Wo einst nur der Fachhandel passende Arbeitsbekleidung zu bieten hatte, können heute auch Baumärkte mithalten, was die Verfügbarkeit enorm gesteigert hat.

Schnittschutzhose

Hosen sind die wichtigsten Kleidungsstücke, die mit Schnittschutz erhältlich sind. Sie schützen die Beine während der Holzarbeiten. Außerdem sind viele Schnittschutzhosen mit zahlreichen weiteren Features ausgestattet. Häufig weisen sie viele Taschen und Befestigungsmöglichkeiten auf, sind wasserabweisend und in Warnfarben hergestellt. Diese Eigenschaften statten den Träger der Schnittschutzhose optimal für die Arbeit im Wald aus.
Die Hose ist im Sinne des blockierenden Schnittschutzes hergestellt und besteht aus drei Lagen. Außen ist ein wasserabweisender Stoff verarbeitet. Die mittlere Lage besteht aus mehreren Schichten von langen, robusten und lose miteinander verwebten Kunststofffasern. Diese sind nach innen hin von der dritten Lage Stoff verdeckt. Wird in die Schnittschutzhose eingeschnitten, so blockieren die langen Fäden das Antriebsritzel der Säge, indem sie sich blitzschnell darumwickeln.
Die Hose muss unbedingt regelmäßig gewaschen werden, den Öl und Schweiß dringen während der Arbeit in den Schnittschutzbereich der Hose und können die notwendigen Fasern verkleben. Dadurch würde mit der Zeit der Schnittschutz verloren gehen.

Schnittschutzjacke

Die Jacken sind seltener in Verwendung als die dazugehörigen Hosen. Sie schützen den Oberkörper vor Schnitten und Stichverletzungen und weisen ebenfalls Wasser ab. Zudem wirken neuere Modelle wärmeregulierend, was das Arbeiten bei ungünstiger Witterung über längere Zeiträume ermöglicht.

Schnittschutzstiefel

Diese Schuhe sind dazu da in unebenem Gelände stabilen Stand zu ermöglichen. Natürlich neben den Effekten, die sie für die Unfallvermeidung aufweisen. Sie bestehen aus robusten Sohlen, die Stichschutz gewährleisten und rutschfest sind. Außerdem beinhaltet der Schaft dieser Stiefeln ebenfalls einen Schnittschutz. Diese Art von Arbeitsstiefeln geht also weit über die Funktionen eines Stahlkappenschuhs hinaus. Schnittschutzstiefel werden immer mehr optimiert, was sich auch erheblich auf die Bequemlichkeit des Schuhs auswirkt. So sind diese Stiefel mittlerweile atmungsaktiv hergestellt.

Forsthelm

Waldarbeiterschutzhelme sind aus Kunstoff gefertigt. Sie enthalten Gesichtsschutz, sowie Gehörschutz und sind unbedingt Pflicht für die Arbeit im Wald. Vorrangig soll der Forsthelm den Arbeiter vor herunterfallenden Gegenständen schützen. Man kann diese Helme allerdings nicht unbegrenzt nutzen. Beim Kauf eines solchen liegt eine Gebrauchsanleitung bei, worin steht, wie lange der Forsthelm maximal zu benutzen ist.
Er darf nicht unnötig lange UV-Strahlung ausgesetzt sein, sollte also dunkel gelagert werden. Außerdem sollte man ihn gut durchlüftet aufbewahren. Weiters ist es untersagt Klebestreifen oder selbstklebende Etiketten an den Helm anzubringen. Der Helm muss händisch mit lauem Seifenwasser gereinigt werden und niemals maschinell mit einem Hochdruckreiniger oder ähnlichem. Säuren, Kraftstoffe oder lösungsmittelhaltige Stoffe dürfen mit dem Waldarbeiterschutzhelm keinesfalls in Kontakt kommen. Spitze und scharfe Gegenstände dürfen dem Helm nicht zu nahe kommen.
Außerdem ist es von Wichtigkeit den Helm unbedingt zu tauschen, wenn er beansprucht wurde. Das passiert beispielsweise bei einem Sturz oder, wenn der Helm tatsächlich den Arbeiter vor einem herabfallenden Gegenstand geschützt hat. Selbst wenn keiner dieser Fälle eingetreten ist, muss der Forsthelm vor jedem Tragen gründlich nach Rissen und dergleichen untersucht werden. Verläuft die Suche positiv ist der Helm auf der Stelle auszutauschen, da der Schutz nicht mehr gewährleistet werden kann. Genauso sind Farbveränderungen auf dem Helm kritisch und machen einen Ersatz erforderlich.

Schnittschutzhandschuhe

Diese Art des Schnittschutzes wird häufig übersehen. Allerdings kann sie vor erheblichen Handverletzungen schützen, besonders im Umgang mit Kettensägen. Aus diesem Grund sind Schnittschutzhandschuhe mit einem blockierendem Schnittschutz ausgestattet. Denn diese Maßnahme kann Finger des Forstarbeiters vor Schlimmen bewahren. Ebenfalls wie die Stiefel sind Schnittschutzhandschuhe atmungsaktiv, wasserabweisend und wärmeregulierend.

Rechtliche Grundlagen

Holzarbeiten aller Art sind in den Formen der notwendigen Unfallverhütung bereits gesetzlich verankert. Die genauen Normen sind festgelegt und betreffen bestimmte Arbeitsbereiche. Im einzelnen Fall bedeutet das folgendes:

  • Schutzbekleidung zur Benutzung von handbetriebenen Kettensägen DIN EN 381
  • Anforderungen für den Beinschutz DIN EN 381 -5
  • Anforderungen für den Handschutz DIN EN 381 -7
  • Anforderungen für Schutzgamaschen DIN EN 381 -9
  • Anforderungen für Oberbekleidung DIN EN 381 -11

Dies sind nicht einmal alle Anforderungen für die Schutzbekleidung, um mit handgeführten Kettensägen arbeiten zu dürfen. In Europa muss man sich an diese Anforderungen halten, wenn man mit einer solchen Kettensäge arbeiten möchte. Dabei tut es nichts zur Sache, ob privat oder professionell. Allerdings werden lediglich stichprobenartige Überprüfungen im professionellen Bereich durchgeführt. In der Praxis obliegt es jedem privaten Nutzer selbst, wie ernst er es mit der Schutzbekleidung nimmt. Die einzige Ausnahme sind Unfälle. Denn dann interessiert es die Versicherung deutlich, ob die Unfall durch dürftige Schutzmaßnahmen diese Ausmaße annehmen konnte, oder ob kein Eigenverschulden vorhanden ist.

Schnittschutzklassen

Zusätzlich zu den DIN EN Normen sind die Schnittschutzklassen von deutlicher Bedeutung für die Wahl der Arbeitsbekleidung. Die Klassen hängen wiederum vom verwendeten Werkzeug ab. Im Falle einer Kettensäge geht es um die Geschwindigkeit, mit der sich die Kette des Geräts maximal bewegen kann. Es werden fünf Klassen unterschieden, die folgend gelistet sein werden:

  • 0 – 16 m/s
  • 1 – 20 m/s
  • 2 – 24 m/s
  • 3 – 28 m/s
  • 4 – 32 m/s

Nun muss die Schutzbekleidung nach der höchstmöglichen Geschwindigkeit des stärksten bzw. schnellsten Geräts gewählt werden, welches an einem bestimmen Tag verwendet wird. Grundsätzlich darf die Schnittschutzklasse nicht von der Höchstleistung der Motorsäge übertroffen werden.